EFA23 diary: Max Girardi


Zu den schwarzen Anzügen und eleganten Kleidern der zweiten „Alpbach“-Woche gesellt sich ein Accessoire, dessen Farbpalette so gar nicht dazu passt. Ein weiß-blau-rotes Rechteck, das am Hals getragen wird, fungiert nicht nur als Identifikationsmethode, sondern auch als Schlüssel zur Kommunikation. Dieser Artikel beleuchtet die verborgene Macht der „Badges“, die über das Offensichtliche hinausgeht.

Die Frage „Hob es olle di Badge?“ ist eine zentrale in diesen beiden Wochen des „Alpbach“-Forums. Der Badge, ein „Ausweis“, der Türen öffnet und den Zugang zu den meisten Räumen in Alpbach ermöglicht, zu vergessen, kann vor allem in dieser zweiten Woche des Forums – wo hohe Gäste und solche, die es gerne wären, erwartet werden und die Sicherheitsmaßnahmen dementsprechend verschärft wurden – zum Problem werden. Dieser Wandel in der Forums-Klientel spiegelt sich auch in der Kleiderwahl der Teilnehmer:innen wider. Während in der ersten Woche bequeme und locker-luftige Kleidung vorherrscht, dominieren in der zweiten Woche elegante Anzüge und Kleider. Doch die Badges bleiben unverändert bestehen, sowohl in ihrem Aussehen als auch in der tieferen Symbolik, die sie beinhalten.

Die Badges verkörpern für mich das Herzstück des Forums. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Zusammengehörigkeit und Abgrenzung. Sie vereinen und sie trennen. Sie signalisieren, dass man Teil einer externen Gemeinschaft ist, kein „Doiger“, gleichzeitig fungiert sie als Eisbrecher par excellence. Sie baumelen wie eine Einladung zum Austausch von den Hälsen der Forumsteilnehmer:innen und signalisieren, dass wir uns in der gleichen Situation befinden, etwas verwirrt sind und vermutlich doch einige gemeinsame Interessen haben, die es zu erkunden gibt. Diese Gemeinsamkeit ermutigt zur Interaktion und fördert den Austausch von Gedanken. Der Badge gibt mir das Recht, dich anzusprechen, verpflichtet mich in gewisser Weise aber auch dazu, bereit zu sein, angesprochen zu werden.

Stellen Sie sich vor, Sie wären am anderen Ende der Welt – bei diesem Regenwetter träumen Sie vielleicht von einem Strand in Fiji – und hören plötzlich jemanden im Südtiroler Dialekt sprechen. Dieses vertraute Klangmuster würde automatisch Vertrautheit herstellen und das Bedürfnis nach Kommunikation wecken, oder? In Alpbach erfüllt die Badge eine ähnliche Funktion – sie schafft eine Art vertraute Verbindung in einer ansonsten fremden Umgebung.

Die Badges gehen jedoch über die persönliche Begegnung hinaus. Ein in die Badges integrierter QR-Code verbindet die physische Welt mit der digitalen. Durch die eigens entwickelte EFA-App kann man die Profile anderer Teilnehmer:innen erkunden, Nachrichten austauschen und Informationen über besuchte Veranstaltungen erhalten.

Trotz dieser positiven Aspekte werfen die Badges auch Schatten. Er kann zu einer Barriere werden, die diejenigen ausschließt, die sie nicht besitzen. Sie schaffen eine Abgrenzung zwischen den „Inhabern:innen“ und den Ausgeschlossenen. Die Badges verdeutlicht die Dynamik von Inklusion und Exklusion, die in solchen Gemeinschaften oft anzutreffen sind.

Die Badges im Alpbacher Kontext sind mehr als nur ein einfaches Accessoire. Sie symbolisieren Gemeinschaft und Zugehörigkeit, während sie gleichzeitig Barrieren errichten. Sie stehen für den Willen zur Kommunikation und den Wunsch nach Austausch. In einer Zeit, in der Oberflächlichkeiten oft im Vordergrund stehen, erinnern uns die Badges daran, dass hinter jeder Person eine Geschichte und ein Gespräch stecken könnte.

In einer Zeit, in der unser Alltag zunehmend von Individualismus geprägt ist und die Idee, mit Fremden in Kommunikation zu treten, nur selten in Betracht gezogen wird, könnte ein hypothetischer „Badge“ mitunter als willkommene Brücke dienen.