EFA_diario #2: Balkongespräche


Balkonblick über Alpbach (Foto: Marina Demetz)

Bereits nach den ersten Tagen in Alpbach ist klar, Alpbach hat noch viel mehr zu bieten als spannende Seminare, interessante Kamingespräche und aufschlussreiche Symposien. Die Zeit in Alpbach ist eine ganz besondere. Wie gleich zu Beginn in dem von mir besuchten Seminar „Timescapes of the 21st century“ klargestellt wurde, wird Zeit ganz unterschiedlich wahrgenommen und somit ist das Zeitgefühl sehr individuell geprägt. Es kommt mir so vor, als herrsche in diesen Tagen ein ganz anderes Zeitformat. Erst mal in Alpbach angekommen, fühlt es sich so an, als verschwinde die restliche Welt um mich herum. So als wäre man in diesen Tagen in einer Art Schonraum, in einer Blase, abgekapselt von Alltag und losgelöst von Routine, gefüllt mit Begegnungen, welche Anreiz zu gedanklichem Austausch bieten.

Du setzt dich mit deinen neuen Bekanntschaften zusammen und lässt viele Impulse der vergangenen Tage gemeinsam Revue passieren. Dies sind die Momente, die die Zeit in Alpbach für mich einzigartig machen. Balkongespräche, in denen du Erlebtes teilst, deinen Standpunkt darlegst, gemeinsam über weltpolitische Themen diskutierst und über ethische Fragen philosophierst. Balkongespräche, die dir klarmachen, warum es so wichtig ist, dass du hier bist und dir vor Augen führen, wie ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln gesehen werden kann. Balkongespräche, die mit Blick auf die wunderschöne Landschaft vor deinen Augen weit über den Horizont hinausgehen und dich dein Weltverständnis immer wieder aufs Neue reflektieren lassen. Du tauchst in andere Realitäten ein und begibst dich auf spannende Reisen in dir bisher fremde Themenbereiche. Du lässt sich beflügeln von Themen und Ideen, stellst dich neuen Herausforderungen und entdeckst neue Interessen.

All dies fordert mich immer wieder aufs Neue heraus, meinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen und trägt schließlich dazu bei, dass die Tage in Alpbach zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Was am Ende bleibt, sind oft mehr Fragen als Antworten, die mich mit Sicherheit noch lange nach der Zeit in Alpbach begleiten und beschäftigen werden.

 

Claudia Niederbacher