{"id":5665,"date":"2021-09-14T11:29:29","date_gmt":"2021-09-14T09:29:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=5665"},"modified":"2021-09-14T11:29:34","modified_gmt":"2021-09-14T09:29:34","slug":"efa_diario-5-die-generationenfrage-im-antlitz-der-grossen-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/efa_diario-5-die-generationenfrage-im-antlitz-der-grossen-transformation\/","title":{"rendered":"EFA_diario #5: Die Generationenfrage im Antlitz der gro\u00dfen Transformation"},"content":{"rendered":"\n<p>Einmal im Jahr treffen Granden aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft\nin einem beschaulichen Alpendorf auf die Jugend. Der Ort: idyllisch,\nalpenl\u00e4ndisch. Die Atmosph\u00e4re: gegens\u00e4tzlich. Alpbach, einst das sch\u00f6nste\nBlumendorf Europas, ist aus den Wirren der Pandemie erwacht und so auch dessen\neurop\u00e4isches Forum. Nach einem Jahr der Ruhe wird hier wieder die Zukunft\nEuropas diskutiert, genauer die anstehende gro\u00dfe Transformation.<\/p>\n\n\n\n<p>Das diesj\u00e4hrige Generalthema \u201ethe great transformation\u201c ist von Karl\nPolanyies gleichnamigen Meisterwerk entlehnt.&nbsp;\nDarin zeichnet Polanyi die gesellschaftlichen Verwerfungen in der\nEntwicklung vom Feudalismus hin zum Industriekapitalismus nach. In deren Ausma\u00df\nzumindest ebenb\u00fcrtige Verwerfungen stehen uns aufgrund der Klimakrise bevor.\nDas Thema k\u00f6nnte f\u00fcr ein Aufeinandertreffen zwischen Entscheidungstr\u00e4ger:innen\nund der Jugend kaum passender sein. Schlie\u00dflich ist der Lebensstill der von den\nletzten beiden Generationen vorgelebt wurde nichtmehr tragbar, um eine\nmenschenfreundliche Lebenswelt auf diesem Planeten zu gew\u00e4hrleisten.\nLebensstil, Kultur und die Beziehung vom Menschen zur Natur m\u00fcssen neu gedacht\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber zur Komplikation, die im Mittelpunkt des vorliegenden\nGedankengangs stehen soll. Eine \u201egro\u00dfe Transformation\u201c der Gesellschaft, vorgenommen in\nkurzer Zeit, f\u00fchrt unvermeidlich zu einer Umverteilung von Macht. Die\nZeitlichkeit spielt hier eine zentrale Rolle. W\u00e4hrend f\u00fcr die\nEntscheidungstr\u00e4ger:innen kurzfristig ihre Machtposition auf dem Spiel steht,\nist es f\u00fcr die Jugend ihre Zukunft. Um das \u00dcberleben der Menschheit zu sichern,\nm\u00fcssen die Weichen innerhalb von k\u00fcrzester Zeit neu gestellt werden. Diese\nNeustellung wird vor allem die Jugend und kommende Generationen betreffen, muss\naber aufgrund der Dringlichkeit unmittelbar vorgenommen werden. Somit muss der\nUmbruch von derzeitigen Entscheidungstr\u00e4ger:innen eingeleitet werden und hat\nAuswirkungen weit \u00fcber deren Lebenszeit hinaus. Wie die Jugend in diesen Prozess\neingebunden werden und ihre eigene Zukunft nicht nur umzusetzen sondern\nmitgestalten kann, war der Elefant im Raum des diesj\u00e4hrigen Forums.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/blumen-jk-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5667\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/blumen-jk-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/blumen-jk-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/blumen-jk-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Credits: Jakob Kofler EFA 2021<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Handlungsbedarf war Konsens, die Ver\u00e4nderungstiefe Kontrovers. In den Gro\u00dfveranstaltungen des Forums wird diese Diskrepanz am greifbarsten. Auf der B\u00fchne die Entscheidenden, welche sich gegenseitig f\u00fcr Ihre Leistungen bez\u00fcglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf die Schulter klopfen, im Publikum die Jugend, die weit mehr fordert. Abseits des formellen Programms trafen wir uns, um M\u00f6glichkeiten zu diskutieren, wie Institutionen ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen, um die Mitgestaltung der Jugend zu erm\u00f6glichen. Im Folgenden sollen zwei Ideen kurz skizziert werden, welche in keiner Diskussion zu diesem Thema unter Stipendiat:innen gefehlt haben. Die Umsetzung dieser k\u00f6nnte eine essentielle Hebelwirkung auf die   Geschwindigkeit der \u201egro\u00dfen Transformation\u201c und somit auf die Erfolgreiche Abwehr einer globalen Klima-  Katastrophe haben. <\/p>\n\n\n\n<p>In einer Demokratie in welcher \u00e4ltere Generationen aufgrund der\ndemographischen Entwicklung einen L\u00f6wenteil der Wahlbev\u00f6lkerung stellen, liegt\nes in der Logik des Systems, dass besonders die Anliegen der \u00c4lteren adressiert\nwerden. Um die \u201egro\u00dfe Transformation\u201c voranzutreiben und das vorliegende Ungleichgewicht\nauszugleichen m\u00fcsste das Wahlgesetz ver\u00e4ndert werden. Zum einen k\u00f6nnten Eltern\nzus\u00e4tzliche Wahlstimmen f\u00fcr ihre minderj\u00e4hrigen Kinder erhalten. Die Pr\u00e4misse\ndabei ist, dass diese bessere Entscheidungen f\u00fcr die Zukunft treffen, da ihnen\ndas langfristige Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt. Zum anderen k\u00f6nnten Stimmen\nvon Jungw\u00e4hlern h\u00f6her gewichtet werden. Ein Verfahren das es in einigen L\u00e4ndern\nbereits gibt, um das Ungleichgewicht zwischen Stadt- und Landbev\u00f6lkerung\nauszugleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die skizzierten Ideen k\u00f6nnten die Dynamiken der anstehenden Transformationsprozesse grundlegend ver\u00e4ndern. Wie auch beim Forum ersichtlich liegt jungen Menschen ihre Zukunft am Herzen, deshalb sind sie tendenziell zu mutigeren Umbr\u00fcchen bereit als \u00c4ltere. Diese Tendenz zu nutzen k\u00f6nnte ein kritischer Faktor f\u00fcr das Abwenden der Klima-Katastrophe sein.  <br>Die pr\u00e4sentierten Ideen sollen den M\u00f6glichkeitsraum \u00f6ffnen, Utopien f\u00fcr die Zukunft zu entwerfen. Die Transformation soll, im Gegensatz zu jenen von Polanyi beschriebenen, nicht vom Markt sondern von der Jugend mitgelenkt und gezielt beschleunigt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Jakob Kofler<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal im Jahr treffen Granden aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in einem beschaulichen Alpendorf auf die Jugend. Der Ort: idyllisch, alpenl\u00e4ndisch. Die Atmosph\u00e4re: gegens\u00e4tzlich. Alpbach, einst das sch\u00f6nste Blumendorf Europas, ist aus den Wirren der Pandemie erwacht und so auch dessen europ\u00e4isches Forum. 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