{"id":5477,"date":"2020-08-29T14:25:51","date_gmt":"2020-08-29T12:25:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=5477"},"modified":"2020-09-07T11:41:55","modified_gmt":"2020-09-07T09:41:55","slug":"efa_diario-1-alpbach-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/efa_diario-1-alpbach-2-0\/","title":{"rendered":"EFA_diario #1: Alpbach 2.0"},"content":{"rendered":"\n<p>W\u00e4hrend\nich eine der ersten Vortr\u00e4ge des digitalen Forum Alpbach streame, erreicht mich\neine seltsame Nachricht \u00fcber Whatsapp: \u201cDisclaimer: slightly creepy message\nincoming \u2013&gt; hab dich gerade im Session Chat gespottet\u201d. Die Nachricht kommt\nvon einer alten Studienfreundin, von der ich schon l\u00e4ngere Zeit nichts geh\u00f6rt\nhabe. Wir tauschen uns am Second Screen \u00fcber die Veranstaltung aus (wir finden\nsie beide ein bisschen cringy) und verabreden uns gleich f\u00fcr das n\u00e4chste\nvirtuelle Kamingespr\u00e4ch. Solche und \u00e4hnliche Situationen sind f\u00fcr die n\u00e4chsten\nzehn Tage mein Alltag. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201cIn 2020, the European Forum Alpbach is wherever you are\u201d &#8211; 2020 ist das Forum Alpbach, wo immer du bist. Mit der gro\u00dfen Ank\u00fcndigung, das Forum im Coronajahr auf den virtuellen Raum zu verlegen, trafen die Organisierenden auf gemischte Reaktionen. Einerseits k\u00f6nnen w\u00e4hrend einer Pandemie nat\u00fcrlich nicht mehrere tausend Menschen aus aller Welt gem\u00fctlich in einem Bergdorf zusammensitzen; andererseits ist es schwierig den ber\u00fchmten \u201dAlpbach Spirit\u201d in die <strong>digitale Welt<\/strong> zu \u00fcbertragen. Auch f\u00fcr mich, als Alpbach-Neuling ist sp\u00fcrbar, dass irgendwie etwas fehlt; und das wird mir auch von allen best\u00e4tigt, die schon einmal da waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Ohne\nCorona w\u00fcrde ich diesen Text wahrscheinlich im Alpbachtal schreiben. Es w\u00e4re\nfr\u00fch am Morgen und in meinem kleinen G\u00e4stezimmer w\u00fcrde es nach Zirbenholz und\nFr\u00fchst\u00fcck riechen. Und ich w\u00fcrde noch kurz meine Kr\u00e4fte sammeln f\u00fcr einen Tag\nvoller interessanter Vortr\u00e4ge, netter Gespr\u00e4che und neuer Bekanntschaften. So\nstelle ich mir das zumindest vor. Stattdessen sitze ich in meiner \u00fcberhitzten\nDachwohnung in Wien und starre acht Stunden t\u00e4glich auf einen Bildschirm.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Aber das klingt jetzt schlimmer, als es ist. Erstens bin ich das Setup gewohnt, denn auch an meiner Uni wurde das ganze letzte Semester auf online Lehre umgestellt. Ich habe mir also schon etwas Sitzfleisch antrainiert, wenn es um digitale endlos Meetings geht. Andererseits haben die Organisierenden eine sehr \u00fcbersichtliche online Plattform aus dem Boden gestampft, mit der man sich ein bisschen wie auf einen virtuellen Dorfplatz f\u00fchlt. Die Veranstaltungen werden in der Mitte des Bildschirms als Video Stream angezeigt. Rechts davon befindet sich ein <strong>Chatfenster<\/strong>, in dem alle Besucher*innen kommentieren und fragen stellen k\u00f6nnen. Bei interaktiven Sessions k\u00f6nnen sich Teilnehmende mit Audio und Video zuschalten und interagieren. Ein interessantes Tool ist die Networking Funktion, eine Art Blind Date, in dem man f\u00fcr f\u00fcnf Minuten mit einem zuf\u00e4llig bestimmten Teilnehmenden verbunden wird. Es k\u00f6nnen auch Kontaktdetails ausgetauscht- und l\u00e4ngere Gespr\u00e4che per Videochat gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Star dieser Plattform ist f\u00fcr mich aber das Chatfenster.\nAm Beginn jedes Vortrags senden die Zuschauenden Gr\u00fc\u00dfe aus aller Welt: \u201cHi from\nMalaysia\u201d, \u201cGood morning everyone! Joining from Tbilisi, Georgia!\u201d, \u201cHi from\nBolivia\u201d,\u201dSanibonani from Mbabane in the beautiful Kingdom of Eswatini!\u201d ist da\nzu lesen und nachdem ich gegoogelt habe, wo denn das K\u00f6nigreich Eswatini liegt,\nfreue ich mich \u00fcber so viel internationale Pr\u00e4senz und f\u00fchle mich der Welt so\nnahe, wie sein Beginn der Coronakrise nicht mehr. Ein anderer Vorteil der\nChatfunktion ist, dass sie das Forum insgesamt demokratischer macht. Besonders\nsch\u00fcchternen Menschen oder jenen, die nicht so gut Englisch k\u00f6nnen, f\u00e4llt es\nleichter sich einzubringen. Die Chatfunktion f\u00fchrt auch zu interessanten und\nkuriosen Situationen, wie der kleinen Revolution, die sich w\u00e4hrend der Rede des\nUN Generalsekret\u00e4rs Antonio Guterres abgespielt hat: Naturgem\u00e4\u00df war diese\nVeranstaltung sehr gut besucht und so gingen Fragen im Chat schnell unter.\nNicht jedoch die Frage einer Stipendiatin, die (richtigerweise) wissen wollte,\nwie denn die UN diverser werden will, wenn sie nur unbezahlte Praktika\nanbietet. <br>\n<br>\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Eurp\u00e4isches-Forum-Alpbach-1024x465.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5478\" width=\"512\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Eurp\u00e4isches-Forum-Alpbach-1024x465.jpeg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Eurp\u00e4isches-Forum-Alpbach-300x136.jpeg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Eurp\u00e4isches-Forum-Alpbach-768x349.jpeg 768w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Eurp\u00e4isches-Forum-Alpbach.jpeg 1362w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Credits: European Forum Alpbach<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Diese Frage schien vielen Anwesenden unter den N\u00e4geln zu brennen und so\nwurde der Chat solange mit Aufforderungen geflutet, dem UN Generalsekret\u00e4r\ndiese Frage zu stellen, bis sie am Ende tats\u00e4chlich gestellt wurde. In einem\nechten Raum mit echten Menschen w\u00e4re die Frage wahrscheinlich gekonnt ignoriert\nworden. Herrn Guterres\u2019 Antwort war am Ende nicht sehr zufriedenstellend, aber\nvielleicht erinnert er sich an die Problematik. <\/p>\n\n\n\n<p>Es stimmt wahrscheinlich, dass eine Online Plattform nicht der real deal ist und, dass ein <strong>virtueller Austausch keinen pers\u00f6nlichen ersetzen kann<\/strong>. Ich zumindest habe beschlossen das Beste aus dieser Situation zu machen und so viel mitzunehme wie m\u00f6glich. Aber eines ist sicher, ich freue mich riesig, meinen Beitrag f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr in Alpbach in einem Zirbenholzzimmer zu schreiben. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<br> von Kathrin Runggatscher <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend ich eine der ersten Vortr\u00e4ge des digitalen Forum Alpbach streame, erreicht mich eine seltsame Nachricht \u00fcber Whatsapp: \u201cDisclaimer: slightly creepy message incoming \u2013&gt; hab dich gerade im Session Chat gespottet\u201d. Die Nachricht kommt von einer alten Studienfreundin, von der ich schon l\u00e4ngere Zeit nichts geh\u00f6rt habe. 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