{"id":4386,"date":"2019-09-02T14:35:55","date_gmt":"2019-09-02T12:35:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=4386"},"modified":"2019-09-03T10:52:10","modified_gmt":"2019-09-03T08:52:10","slug":"efa_diario-8-suedtirol-braucht-weibliche-protagonistinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/efa_diario-8-suedtirol-braucht-weibliche-protagonistinnen\/","title":{"rendered":"EFA_diario #8: S\u00fcdtirol braucht weibliche Protagonistinnen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190821-IMG_7059-1024x349.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4389\" width=\"1236\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190821-IMG_7059-1024x349.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190821-IMG_7059-300x102.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190821-IMG_7059-768x261.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1236px) 100vw, 1236px\" \/><figcaption>Teilnehmer*innen am CASA_chat mit Wnet (Foto: CASA)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich liege auf der Wiese \u00fcber dem Kongresszentrum in Alpbach. Mich umgibt die idyllische Natur. Die Sonne brennt auf meiner Haut und entfernt sind Gel\u00e4chter und Applaus einer Panel-Diskussion zu h\u00f6ren. Herrlich. Ich ertappe mich dabei, wie mein Blick wieder mal nach S\u00fcdtirol schweift. Etwas, das in diesen letzten Wochen immer wieder vorgekommen ist. Was wohl zuhause gerade so passiert? Welche Themen besprochen werden? Hier in Alpbach bekomme ich davon ja nichts mit, weil ich seit Tagen nicht auf stol.it, Tageszeitung Online oder Salto war. Ein Jammer. Es ist ja eh Sommerloch, sag ich mir, nicht so schlimm. Pl\u00f6tzlich tut sich was in meinem Kopf, getrieben von all dem Trubel rundherum, vom freien Spiel der Ideen, von den sozialen Interaktionen und vom Konsum von Wissen. Wie aus dem nichts schie\u00dft mir ein Thema durch den Kopf: Emanzipation junger Frauen in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Forschung. Da muss doch was getan werden! Hier in Alpbach ist das \u2013 vor allem unter Stipendiatinnen und Stipendiaten \u2013 ja eh kein Thema mehr, denke ich mir. Klar doch, Manuel, es hat sich ja auch schon sehr viel getan in der Chancengleichheit zwischen Mann und Frau. Aber es geht noch mehr, sagt mein gesellschaftsliberales Ich. Wir haben in S\u00fcdtirol ja vergleichsweise eine sehr gute Bildung, r\u00e4ume ich dann wieder ein. Die erm\u00f6glicht es eh allen Geschlechtern, eine Karriere im gew\u00fcnschten Feld einzuschlagen. Aber es gibt trotzdem noch viele Gr\u00fcnde, weshalb wir junge Frauen in S\u00fcdtirol weiterhin st\u00e4rker ermutigen sollten, zu den STEM-F\u00e4chern zu gehen, widerspreche ich mir. Denn gerade hier findet sich immer noch ein \u00fcberwiegend von M\u00e4nnern dominiertes Studienfeld vor, was logischerweise nicht zu vielen weiblichen Absolventen f\u00fchrt. Ich steh\u2019 auf und geh eine Runde. Im Kreis. Immer noch in Gedanken versunken. Mein artsy Blumen-Hemd flattert im Wind. Die Leute nicht unweit von mir m\u00fcssen sich wohl denken, ich sei hier auf irgendeiner Art von Sinnsuche. Wie kann S\u00fcdtirol junge M\u00e4dchen ermutigen, sich technischen F\u00e4chern zuzuwenden? Wie k\u00f6nnen wir das Problem m\u00e4nnerdominierter Branchen ohne bindende Quoten l\u00f6sen? Zwei Punkte fallen mir ein: Bildung und Medien. Was kann Schule beitragen? Immerhin bleibt es eine pers\u00f6nliche Entscheidung, ob ich \u201cerneuerbare Bioressourcentechnologien\u201d studieren will oder nicht, ob ich in die Forschung oder in die Wirtschaft gehen will, ob ich eine Karriere einschlagen will, oder doch lieber daheim bleibe. Und ja, das stimmt, Schule kann nicht auf Druck Interesse f\u00fcr ein bestimmtes Fach erzeugen. Schule kann aber schlummernde Interessen wecken und f\u00f6rdern, die sonst nie ans Tageslicht gekommen w\u00e4ren. Das ist es, was Bildung erm\u00f6glichen sollte. Die freie und individuelle Entfaltung, die an gesellschaftlichen Pr\u00e4konzepten vorbeigeht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Ich wiederhole: den Menschen \u2013 und nicht das Geschlecht. Zweitens stellen Medien einen wichtigen Faktor in der \u00f6ffentlichen Meinungsbildung dar. Bei einem Vortrag hier in Alpbach hat Wnet \u2013 networking women auf die Bedeutung von Frauen in den Medien hingewiesen. Es beginnt nat\u00fcrlich bei der geschlechtergerechten Sprache. Es ist klar, dass Nennung von \u201cExpertinnen und Experten\u201d bei einer Gruppe beider Geschlechter in einem Artikel zur Bedeutung von Frauen in F\u00fchrungs- und Entscheidungspositionen beitr\u00e4gt. Vielmehr sehe ich das Problem aber im Agenda Setting. Die Nachrichtenauswahl und das Berichten \u00fcber weibliche Protagonistinnen tr\u00e4gt meines Erachtens am ehesten zu einer verst\u00e4rkten Sichtbarkeit bei. Auch das hat Wnet gut aufzeigen k\u00f6nnen, etwa durch ihre j\u00fcngst durchgef\u00fchrte Aktion in den S\u00fcdtiroler Medien. Und gerade hier braucht es starke Frauen, die Mut und Expertise beweisen. Ohne Initiative auf beiden Seiten \u2013 Medienunternehmen und Frauen \u2013 kann dieser Schritt n\u00e4mlich nicht gelingen. Die Fernsehjournalistin Claudia Reiterer meinte diesbez\u00fcglich einmal, Frauen w\u00fcrden bei Einladungen zu Fernsehdiskussionen tendenziell eher z\u00f6gern als M\u00e4nner. Die Bereitschaft, sich \u00f6ffentlichen Debatten stellen zu k\u00f6nnen, sollte \u00f6fters da sein, denn es gibt mehr als genug Expertinnen auf allen m\u00f6glichen Fachgebieten. Ich lege mich wieder hin auf die Wiese, blicke in den Himmel und suche nach einer Antwort auf dieses scheinbare Dilemma. Und wieder ertappe ich mich dabei, wie mein Blick nach S\u00fcdtirol schweift. Diesmal aber nicht vom Kongresszentrum, sondern von meinem Laptop aus \u2013 beim Schreiben dieses Tagebucheintrags. Ich denke mir, welch pr\u00e4gendes Ende diese meine Argumentationslinie und diese Story doch finden k\u00f6nnte. Welchen Beitrag ich durch diesen Tagebucheintrag leisten kann. Ich will nicht mit einem generischen \u201eAlpbach hat mir meinen Horizont in Hinsicht auf Gleichberechtigung erweitert\u201c aufh\u00f6ren. Das hat doch keinen Impact. Daher schreibe ich hier komprimiert meine Conclusio, mein Aufruf, mein Abstract dieses Papers auf: Wir brauchen Vorbilder und Frauen, die sich nicht genieren, in die \u00f6ffentliche Wahrnehmung zu treten und ihre Meinung kundzutun. Wir brauchen Schulen, die alle Kinder unabh\u00e4ngig voneinander f\u00f6rdern, wertsch\u00e4tzen und dabei Entfaltung zulassen. Wir brauchen eine Politik, die ein Zeichen setzt \u2013 die mehr Vorbilder f\u00fcr junge Frauen generiert. Und in dieser Hinsicht wiederhole ich das, was ich eh schon seit Jahren immer wieder sage: Wir brauchen in Zukunft endlich mal eine erste S\u00fcdtiroler Landeshauptfrau.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; von Manuel Lavoriero<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich liege auf der Wiese \u00fcber dem Kongresszentrum in Alpbach. Mich umgibt die idyllische Natur. Die Sonne brennt auf meiner Haut und entfernt sind Gel\u00e4chter und Applaus einer Panel-Diskussion zu h\u00f6ren. Herrlich. Ich ertappe mich dabei, wie mein Blick wieder mal nach S\u00fcdtirol schweift. Etwas, das in diesen letzten Wochen immer wieder vorgekommen ist. 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