{"id":2721,"date":"2016-10-28T15:45:51","date_gmt":"2016-10-28T13:45:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=2721"},"modified":"2016-11-28T21:59:35","modified_gmt":"2016-11-28T20:59:35","slug":"von-pferden-kriegen-und-der-notwendigkeit-neuer-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/von-pferden-kriegen-und-der-notwendigkeit-neuer-aufklaerung\/","title":{"rendered":"Von Pferden, Kriegen und der Notwendigkeit \u201eneuer Aufkl\u00e4rung\u201c"},"content":{"rendered":"

Ci spiace, ma questo articolo \u00e8 disponibile soltanto in Tedesco<\/a>. Per ragioni di convenienza del visitatore, il contenuto \u00e8 mostrato sotto nella lingua alternativa. Puoi cliccare sul link per cambiare la lingua attiva.<\/p>

von Laszlo F. Garzuly<\/p>\n

Vor nun fast schon zwei Monaten ging das heurige Europ\u00e4ische Forum Alpbach offiziell zu Ende. Gen\u00fcgend Zeit ist bis jetzt verstrichen um einige \u00dcberlegungen anzustellen. Meine Erwartung an das Forum war es, interessante, ansprechende und aktuelle Themen etwas n\u00e4her zu durchleuchten bzw. Experten und Studenten aus den Bereichen Politik, Recht und Wirtschaft kennenzulernen und mich mit diesen auszutauschen. Diese Erwartung wurde zur G\u00e4nze erf\u00fcllt.<\/strong><\/p>\n

Viel spannender erscheint mir jedoch genau das, was ich mir nicht vom Forum erwarte hatte und dann doch dort angetroffen habe und was mich mitgenommen, inspiriert und ber\u00fchrt hat, ganz abseits von dem was ich mir gedacht habe, dort in den Bergen zu finden. Neben Theaterauff\u00fchrungen, Literaturseminar und Konzerten hat mich vor allem die Performance des Alpbacher Schriftstellers Robert Prosser<\/strong> beeindruckt.<\/p>\n

Sein Spiel der Worte nahm mich mit auf eine Reise, einen Tanz auf verwirrenden Bahnen, der von Alpbach in die Wiener U-Bahn und von dort ins Chaos und Grausamkeit der Balkankriege f\u00fchrt, in das heutige Bosnien und das des Krieges und in die K\u00f6pfe und Herzen der Menschen dort. Prosser tr\u00e4gt Ausz\u00fcge aus seinem n\u00e4chsten Roman \u201eDie riesige Sonne, ein entfesseltes Pferd\u201c<\/strong> vor, dabei wird er von Audioaufnahmen, Musik und Video begleitet. Beindruckend ist wie er es schafft, mich mitzunehmen, Distanz zwischen Text und Zuh\u00f6rer zu verringern, N\u00e4he hineinzubringen. Br\u00fcllende Bahnbeamte, das Klacken der Mischkugeln in den Spraydosen, erh\u00f6ht zu einem gewaltigen Geratter, Audiofetzen von Gespr\u00e4chen mit Fl\u00fcchtlingen, einh\u00fcllende Gebetsrezitationen und pl\u00f6tzlich finde ich mich irgendwo in Bosnien wieder, inmitten der Beisetzung von im Krieg ermordeten Menschen. Gleichzeitig wird von einem dreif\u00e4rbigen Pferd erz\u00e4hlt, das vom Nachbarn vergiftet wurde und doch der Liebling des Besitzers war und von diesem dann auch eigenh\u00e4ndig begraben wurde. Als der \u00f6rtliche Geistlich an das Grab des Pferdes herantritt und dort den Besitzer aufgel\u00f6st in Trauer findet, beginnt er im Glauben, dass es sich um den Sohn des Mannes handle, ein Gebet anzustimmen. Noch immer kann der Pferdebesitzer dar\u00fcber lachen. Es werden grauenhafte Szenen von Tod, Verfolgung und Hass erz\u00e4hlt. Eine Stimme versucht jemanden zu beruhigen \u201eSie werden uns nichts tun, sie wollen nur wissen wo wir wohnen\u201c<\/em>, nachdem weise Laken an ihren H\u00e4usern angebracht wurden. Dann Nacht und pl\u00f6tzlich Feuer, Explosionen: Eine zweite Stimme br\u00fcllt \u201cRun into the woods, run, lauf, lauf, lauf, lauf, lauf, lauf\u2026\u201c<\/em> \u00a0Und dann bauen sich Bilder in meinem Kopf auf, l\u00e4uft ein Film vor mir ab, ich kann f\u00f6rmlich f\u00fchlen, wie jemand dem Wald zu l\u00e4uft, ich sp\u00fcre das kalte Gras unter den F\u00fc\u00dfen, sehen die lodernden H\u00e4user im Hintergrund, h\u00f6re die Rufe im R\u00fccken \u00a0“lauf, lauf, lauf, lauf\u2026”<\/em> Ich bin pl\u00f6tzlich mitten drinnen.<\/p>\n

Absurd, Pferde werden beweint wie Menschen beweint werden, alles windet sich und ist in Aufl\u00f6sung begriffen, es gab Krieg und die Menschen k\u00f6nnen immer noch nicht verstehen, was eigentlich passiert ist. Menschen t\u00f6ten, Menschen sterben, Menschen fliehen aber irgendwie bleiben sie doch gleich nur nicht mehr ganz so wie fr\u00fcher. Es ist eine Reise in die Untiefen, die der Krieg in den Menschen hinterlassen hat, was noch da ist, was verwischt wurde, was ausgel\u00f6scht wurde. In all unserer wunderbaren Rationalit\u00e4t haben wir zwar Systeme geschaffen, die Grausamkeit, Krieg und dessen Wahnsinn verhindern sollen aber m\u00fcssen allzu oft erkennen, dass diese wirkungslos sind ob unserer Irrationalit\u00e4t. Und ich beginne mich zu fragen wie weit uns eigentlich die letzte Aufkl\u00e4rung gebracht hat und erkenne, dass wir wohl gerade erst am Anfang stehen und dass es noch einige \u201eneue Aufkl\u00e4rungen\u201c geben werden muss.<\/p>\n

Es waren diese Auseinandersetzungen zu verschiedenen Themen anhand von Kunst und Literatur, die ich mir nicht erwartet hatte und die letzten Endes f\u00fcr mich einen der H\u00f6hepunkte des Forums bildeten.<\/strong><\/p>\n

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