{"id":2189,"date":"2015-12-05T18:28:55","date_gmt":"2015-12-05T17:28:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=2189"},"modified":"2015-12-16T13:07:13","modified_gmt":"2015-12-16T12:07:13","slug":"nuklearwaffen-das-vergessene-relikt-aus-dem-20-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/nuklearwaffen-das-vergessene-relikt-aus-dem-20-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Nuklearwaffen \u2013 Das vergessene Relikt aus dem 20. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Von Jessica Herz<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neben der Fl\u00fcchtlingsthematik, die beim diesj\u00e4hrigen Europ\u00e4ischen Forum Alpbach in aller Munde war und die Diskussionen dominierte, besteht im Zusammenhang mit internationalen Krisen und Konflikten ein weiteres Problem, das medial oft wenig Aufmerksamkeit erh\u00e4lt: jenes des m\u00f6glichen Einsatzes von Massenvernichtungswaffen. Zu dieser Waffengattung z\u00e4hlen nukleare, biologische und chemische Waffen. Letztere haben 2014 in Syrien f\u00fcr Aufsehen gesorgt, als ans Licht kam, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden und Syrien zum Beitritt zur Chemiewaffenkonvention und zur Zerst\u00f6rung des bestehenden Chemiewaffenarsenals quasi gezwungen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die h\u00e4ufig vergessenen Nuklearwaffen \u2013 Relikte aus dem 20. Jahrhundert und von gro\u00dfer Bedeutung w\u00e4hrend des Kalten Krieges \u2013 stellen eine gro\u00dfe, reale Gefahr dar und sind ein Grund zur Sorge, vor allem in Zeiten, in denen sich internationale Spannungen und Konflikte vermehren und einige Staaten in eine gef\u00e4hrliche nukleare Rhetorik wie w\u00e4hrend des Kalten Krieges zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2190\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2190\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2190 size-large\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/senn_herz_kmentt-1024x756.jpg\" alt=\"Alexander Kmentt und Martin Senn widmeten sich in Alpbach dem Thema Nuklearwaffen\" width=\"625\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/senn_herz_kmentt-1024x756.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/senn_herz_kmentt-300x222.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/senn_herz_kmentt-600x443.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/senn_herz_kmentt-624x461.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-2190\" class=\"wp-caption-text\">Alexander Kmentt und Martin Senn widmeten sich in Alpbach dem Thema Nuklearwaffen. Dazwischen die Organisatorin dieses Treffens: Wiederkehrerin Jessica Herz.<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Stagnierende Verhandlungen hindern Fortschritt in der nuklearen Abr\u00fcstung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">70 Jahre nach den verheerenden Atombombenabw\u00fcrfen auf Hiroshima und Nagasaki lagern in den weltweiten Arsenalen noch immer 16.000 Nuklearwaffen. Eine ern\u00fcchternde Bilanz und besorgniserregende Zahl wenn man bedenkt, dass bereits der 1968 vereinbarte Atomwaffensperrvertrag (NPT) die vollst\u00e4ndige Abr\u00fcstung von Nuklearwaffen als Verpflichtung aller Staaten der internationalen Staatengemeinschaft vorsah. Seit Inkrafttreten des Vertrags hat sich jedoch nicht viel ver\u00e4ndert. \u00dcber Jahrzehnte stagnieren jegliche Verhandlungen zur nuklearen Abr\u00fcstung. Auch die im Fr\u00fchjahr 2015 im Rahmen der Vereinten Nationen stattgefundene \u00dcberpr\u00fcfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags scheiterte aufgrund mangelnden Konsenses unter den Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Das Risiko einer beabsichtigten oder unabsichtlichen Nuklearwaffenexplosion ist real <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sicherheitspolitische Aspekte haben lange Zeit die Debatte rund um Nuklearwaffen dominiert. Die Folgen einer Nuklearwaffendetonation f\u00fcr Mensch und Gesundheit, Natur, das globale Klima und die weltweite Nahrungsmittelversorgung sowie die Risiken einer Nuklearwaffenexplosion, sei sie beabsichtig oder durch Unfall, Irrtum, technische Fehler oder terroristische Handlungen verursacht, blieben in Vergangenheit weitgehend unber\u00fccksichtigt. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen jedoch darauf hin, dass neben der unmittelbaren humanit\u00e4ren Katastrophe bei einer Nuklearwaffenexplosion auch die langfristigen Konsequenzen schwerwiegender sind als bislang bekannt war und dass die Risiken, dass es tats\u00e4chlich zu einer Atomwaffenexplosion kommt, real sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_2191\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2191\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2191 size-large\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/crowd2_senn-1024x596.jpg\" alt=\"crowd2_senn\" width=\"625\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/crowd2_senn-1024x596.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/crowd2_senn-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/crowd2_senn-600x349.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/crowd2_senn-624x363.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-2191\" class=\"wp-caption-text\">Assistenz-Professor Dr. Martin Senn, Universit\u00e4t Innsbruck<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcber diese und \u00e4hnliche Themen diskutierten die ForumsteilnehmerInnen am ersten Tag des diesj\u00e4hrigen Europ\u00e4ischen Forums Alpbach. Daf\u00fcr lud der Club Alpbach S\u00fcdtirol-Alto Adige (CASA) am 20. August Botschafter Alexander Kmentt (Leiter der Abteilung f\u00fcr Abr\u00fcstung, R\u00fcstungskontrolle und Non-Proliferation im \u00f6sterreichischen Au\u00dfenministerium) und Assistenz-Professor Dr. Martin Senn der Universit\u00e4t Innsbruck als Redner ein. Was urspr\u00fcnglich als Wiesenpicknick geplant war musste aufgrund des Wetters kurzfristig in ein Indoor-Picknick in der Hauptschule umgewandelt werden. Dies tat der Sache keinen Abbruch ab, zumal sich traditionell in der Seminarwoche alles Wissen in der Hauptschule konzentriert. Die TeilnehmerInnen zeigten auch bei dieser Thematik reges Interesse und beteiligten sich aktiv an der Diskussion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2193 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/alexander_kmentt-740x1024.jpg\" alt=\"alexander_kmentt\" width=\"625\" height=\"865\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/alexander_kmentt-740x1024.jpg 740w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/alexander_kmentt-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/alexander_kmentt-600x830.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/alexander_kmentt-624x863.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Weg von einer Abr\u00fcstungslogik hin zu einem humanit\u00e4ren Ansatz in der nuklearen Abr\u00fcstung \u2013 \u00d6sterreich als Vorreiter <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Martin Senn f\u00fchrte in die Thematik ein, indem er aus wissenschaftlicher Perspektive erl\u00e4uterte, aus welchen Gr\u00fcnden Staaten Nuklearwaffen anstreben bzw. behalten und welchen Einfluss der Besitz von Nuklearwaffen in den Beziehungen zwischen Staaten hat. Es folgte ein Vortrag von Alexander Kmentt, der \u00fcber die aktuellen Bem\u00fchungen \u00d6sterreichs im multilateralen nuklearen Abr\u00fcstungsregime berichtete. \u00d6sterreich ist einer der f\u00fchrenden Staaten in der sogenannten humanit\u00e4ren Initiative, bei der der Schwerpunkt auf die humanit\u00e4ren Auswirkungen und Risiken von Nuklearwaffen gelegt wird. Aufgrund des mangelnden Fortschritts und der international angespannten Lage startete \u00d6sterreich nach der im Dezember 2014 ausgerichteten <a href=\"http:\/\/www.hinw14vienna.at\/\">Wiener Konferenz zu den Humanit\u00e4ren Auswirkungen von Kernwaffen<\/a> einen <a href=\"http:\/\/www.bmeia.gv.at\/fileadmin\/user_upload\/Zentrale\/Aussenpolitik\/Abruestung\/HINW14\/HINW14vienna_Pledge_Document.pdf\">Aufruf<\/a>\u00a0 (\u201eHumanitarian Pledge\u201c), der ein v\u00f6lkerrechtliches Verbot und die Eliminierung von Nuklearwaffen fordert. Bislang haben sich offiziell 117 Staaten diesem Appell angeschlossen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2192\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2192\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2192 size-large\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9366-1024x683.jpg\" alt=\"Kamingespr\u00e4ch mit der Hohen Beauftragten der UN f\u00fcr Abr\u00fcstungsfragen Angela Kane\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9366-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9366-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9366-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9366-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-2192\" class=\"wp-caption-text\">Kamingespr\u00e4ch mit der Hohen Beauftragten der UN f\u00fcr Abr\u00fcstungsfragen Angela Kane<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Klare Worte der UN Hohen Beauftragten f\u00fcr Abr\u00fcstungsfragen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um die Diskussion \u00fcber Abr\u00fcstung im Rahmen des Forums weiterzuf\u00fchren, organisierte der CASA am 22. August noch eine zweite Veranstaltung in Form eines traditionellen Alpbacher Kamingespr\u00e4chs mit der scheidenden Hohen Vertreterin der Vereinten Nationen f\u00fcr Abr\u00fcstungsfragen Angela Kane. Auch bei diesem Event stie\u00dfen die VeranstalterInnen vom CASA auf massives Interesse vonseiten der ForumsteilnehmerInnen. Angela Kane nahm in ihrem Vortrag Bezug auf aktuelle Entwicklungen bei Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen. Dabei betonte sie, dass Nuklearwaffen ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen dominierten. Im Gegensatz zu den beiden anderen Arten von Massenvernichtungswaffen gebe es f\u00fcr Nuklearwaffen noch kein Verbotsvertrag, was auch vor dem Hintergrund aktueller Krisenherde und Spannungen angestrebt werden m\u00fcsse. Das Verbot von Atomwaffen sei laut Kane seit Anfang an und seit deren ersten Einsatz 1945 oberste Priorit\u00e4t der Vereinten Nationen. Dazu habe es s\u00e4mtliche Resolutionen der UN-Generalversammlung gegeben. Als lobenswert hob die Hohe Vertreterin die Initiative von \u00d6sterreich und weiteren gleichgesinnten Staaten hervor, die die humanit\u00e4ren Konsequenzen und Risiken von Nuklearwaffen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit r\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht weniger relevant seien laut Kane auch die Bem\u00fchungen der internationalen Staatengemeinschaft im Bereich der konventionellen Waffen. Einer der j\u00fcngsten Erfolge sei das Inkrafttreten des Waffenhandelsvertrags im Dezember 2014 gewesen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2194\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2194\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2194 size-large\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9396-1024x735.jpg\" alt=\"Angela Kane mit ForumsteilnehmerInnen vom CASA\" width=\"625\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9396-1024x735.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9396-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9396-600x431.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/IMG_9396-624x448.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><p id=\"caption-attachment-2194\" class=\"wp-caption-text\">Angela Kane mit ForumsteilnehmerInnen vom CASA<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Jessica Herz Neben der Fl\u00fcchtlingsthematik, die beim diesj\u00e4hrigen Europ\u00e4ischen Forum Alpbach in aller Munde war und die Diskussionen dominierte, besteht im Zusammenhang mit internationalen Krisen und Konflikten ein weiteres Problem, das medial oft wenig Aufmerksamkeit erh\u00e4lt: jenes des m\u00f6glichen Einsatzes von Massenvernichtungswaffen. 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