{"id":1095,"date":"2014-01-15T00:34:51","date_gmt":"2014-01-14T23:34:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/?p=1095"},"modified":"2014-01-15T12:02:03","modified_gmt":"2014-01-15T11:02:03","slug":"nachruf-fritz-molden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/it\/nachruf-fritz-molden\/","title":{"rendered":"Nachruf Fritz Molden"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-1094\" alt=\"_MG_7214\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-600x900.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-624x935.jpg 624w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MG_7214-900x1350.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>\u201eMan muss tr\u00e4umen, man muss das Unm\u00f6gliche tr\u00e4umen,<\/strong> <strong>und dann davon so viel wie m\u00f6glich realisieren.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz Molden &#8211; Widerstandsk\u00e4mpfer, Reporter, Verleger, Professor, Freund und Ehrenmitglied des Club Alpbach S\u00fcdtirol Alto Adige &#8211; ist am 11. Januar 2014 verstorben. Er hat S\u00fcdtiroler Geschichte miterlebt, und &#8211; wer ihn kannte &#8211; der wei\u00df, dass er sie mitgeschrieben hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Mitglied des katholischen Untergrunds nahm er schon als Jugendlicher an Aktionen gegen die Nationalsozialisten teil. Gemeinsam mit Freunden druckte und verteilte er Flugbl\u00e4tter wider die Verr\u00e4ter S\u00fcdtirols auf den Stra\u00dfen von Innsbruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Nach dem 2. Weltkrieg spielte er als Sekret\u00e4r des \u00f6sterreichischen Au\u00dfenministers Gruber bei den entscheidenden Verhandlungen zum Gruber-Degasperi-Abkommen mit Giulio Andreotti im Vorzimmer Schach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1958 war er beim Treffen im Achenwirt einer der Mitgr\u00fcnder des BAS, dem Befreiungsausschuss S\u00fcdtirol. 1960 und 1961 war er Mitglied der \u00f6sterreichischen Delegation, welche die S\u00fcdtirolfrage bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) einbrachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz Molden kannte und begleitete das Europ\u00e4ische Forum Alpbach seit seinen Anf\u00e4ngen. Mit seinem Engagement und seinen vorz\u00fcglichen Kontakten machte er das Forum, welches sein \u00e4lterer Bruder Otto 1945 begr\u00fcndet hatte, innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu einer internationalen Plattform. Es war f\u00fcr ihn die gesunde Synthese zwischen der abstrakten wissenschaftlichen Forschung und den Problemen des praktischen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2008 freute er sich \u00fcber die verliehene Ehrenmitgliedschaft von Seiten des Clubs Alpbach S\u00fcdtirol Alto Adige, und f\u00fcr den soeben gegr\u00fcndeten Verein begann ein wertvoller Austausch. Interviews, Videos, Fotos &#8211; wir jungen Stipendiaten waren neugierig auf die historische Pers\u00f6nlichkeit Fritz Molden und, im Nachhinein, beeindruckt vom liberalen Geist und vom \u00fcberzeugten Europ\u00e4er Fritz Molden. In den zahllosen Treffen im Schreiberh\u00e4usl in Alpbach erkundigte er sich stets bei den Stipendiaten des CASA nach der Lage in S\u00fcdtirol und nach dem Befinden der S\u00fcdtirolerinnen und S\u00fcdtiroler. L\u00e4ngst war der scharfsinnige Beobachter Fritz Molden zur \u00dcberzeugung gelangt, dass sich Vieles in S\u00fcdtirol zum Besseren gewandelt hatte. Doch der Mensch Fritz Molden blieb wie er war: Er war neugierig auf die jungen Menschen und \u00f6ffnete ihnen die Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz Molden hat die Motivation und den Geist, aus dem heraus die allj\u00e4hrlichen Begegnungen in Alpbach entstanden sind, selbst mitgestaltet. In den Gespr\u00e4chen mit unserem Ehrenmitglied konnten wir &#8211; liebevoll umsorgt von seiner Frau Hanna &#8211; Gedanken- und Handlungsanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr unser zuk\u00fcnftiges Wirken erhalten, die Geschichte des Europ\u00e4ischen Forum Alpbach erkunden und Hintergr\u00fcnde erkennen. Auch in seinen sp\u00e4ten Tagen hatte er seine Lebensfreude und seinen Wissensdurst nie verloren. Er beeindruckte, wie etwa beim Gespr\u00e4ch \u00fcber den Prager Fr\u00fchling, durch Hintergrundwissen und \u00fcberraschte mit pers\u00f6nlichen Anekdoten. Und immer trieb er an: \u201eWir m\u00fcssen investieren, in die Zukunft, in die Leute, ins Land.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blicken wir nun zur\u00fcck auf sein Leben: Der Geburtstag von Fritz Molden fiel auf den 8. April 1924 in Wien. Er wuchs mit seinem \u00e4lteren Bruder Otto im Haushalt von Ernst Molden, dem Chefredakteur der Neuen Freien Presse, und Paula von Preradovi\u0107, der Verfasserin des Textes der \u00f6sterreichischen Bundeshymne, in gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Wiener Verh\u00e4ltnissen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von da an wirbelte er mit unerm\u00fcdlicher Sch\u00f6pfungskraft durch die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts und schrieb nicht nur als Journalist und Verleger Geschichte. Vor sich her trieb er dabei Fakten, Menschen und Visionen, welche das 20. Jahrhundert pr\u00e4gten: Nationalsozialismus, Widerstand, Ungarn-Aufstand, S\u00fcdtirolfrage, Prager Fr\u00fchling, Europa, der deutschsprachige Medienmarkt, wohl auch die Frauen &#8211; und blieb immer \u00d6sterreicher. Er war Patriot. Eine Person, die ihr Vaterland liebte, ohne dabei andere L\u00e4nder abzuwerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr \u00d6sterreich organisierte er, fast im Alleingang, den \u00d6sterreichischen Widerstand, reiste einem Wecker gleich durch das besetzte Land und rief \u201eAufstehen, Mander, \u2019s isch Zeit\u201c. Das Unterfangen \u2013 wie so oft \u2013 gelang. \u00d6sterreich wurde frei. Und schon am Abend der Unterzeichnung des Staatsvertrages, am 15. Mai 1955 \u2013 also auf den Tag genau 34 Jahre nachdem die S\u00fcdtiroler zum ersten Mal an den Wahlen zum r\u00f6mischen Parlament teilgenommen hatten &#8211; sprach er mit amerikanischen Freunden bereits wieder \u00fcber die Zukunft \u00d6sterreichs. \u201eDie Zukunft \u00d6sterreichs hat begonnen!\u201c, titelt er in diesen Tagen im Leitartikel seiner Presse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies galt aber nicht nur f\u00fcr \u00d6sterreich, sondern genauso f\u00fcr die Auslands\u00f6sterreicher. An mehr als nur einer Stelle wurde Fritz Molden als Landeshauptmann des 10. Bundeslandes \u00d6sterreichs genannt. Seine enge Beziehung zu S\u00fcdtirol und seinen Bewohnern entwickelte sich aus Kriegs- und Widerstandszeiten. Doch er erkl\u00e4rte: \u201eUm den Kommunismus zu bek\u00e4mpfen, muss \u00d6sterreich auf S\u00fcdtirol verzichten, das vor Gott und der Welt \u00d6sterreich geh\u00f6rt.\u201c Fritz Molden schrieb gerne \u00fcber S\u00fcdtirol, dazu Vermischtes aus Wien und internationale Analysen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auf Worte folgten Taten: Im Jahre 1958, als Fritz Molden gerade, wie so oft in diesen Jahren, als Verleger mit antikommunistischer Propaganda besch\u00e4ftigt war, informierte ihn der prominente Journalist Indro Montanelli, dass durch die immer schlimmer werdende Unterwanderung der Provinz Bozen die Gefahr eines radikalen Widerstandes der S\u00fcdtiroler stetig wachsen w\u00fcrde. Es gab Pl\u00e4ne der italienischen Regierung, die Einwanderung italienischer Bev\u00f6lkerungsgruppen nach S\u00fcdtirol so zu forcieren, dass sp\u00e4testens 1975 bis 1980 eine klare Mehrheit von \u00fcber 55% das Land bev\u00f6lkern w\u00fcrde. Es war ihm klar: Die Gefahr eines blutigen Freiheitskrieges im Herzen Europas war nicht von der Hand zu weisen. Auf Reden folgten Taten. Gemeinsam mit Bruno Kreisky, den Fritz Molden Jahre zuvor in das Au\u00dfenministerium empfohlen hatte, bereiste er S\u00fcdtirol und traf sich mit dem Abgeordneten Dr. Friedl Volgger und dem Anh\u00e4nger der S\u00fcdtiroler Freiheitsbewegung Sepp Kerschbaumer. Sp\u00e4ter traf er sich noch mit weiteren Mitgliedern des \u201eBefreiungsausschuss S\u00fcdtirol\u201c (BAS) beim Achenwirt in Alpbach und ab Ende 1958 geh\u00f6rte er auch dem BAS-Vorstand in Innsbruck an. Im Sommer 1959 \u00fcberzeugte Fritz Molden Frau Prof. Elisabeth Noele-Neumann, die Leiterin des \u201eDemoskopischen Institut Allensbach\u201c, in S\u00fcdtirol eine Meinungsumfrage durchzuf\u00fchren. Es stellte sich heraus, dass 82% der deutschsprachigen und der Gro\u00dfteil der ladinischen Bev\u00f6lkerung S\u00fcdtirols wieder zur\u00fcck nach \u00d6sterreich wollten. Und immerhin 26% der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung waren bereit, falls notwendig, mit der Waffe in der Hand f\u00fcr eine Befreiung S\u00fcdtirols zu k\u00e4mpfen. Dieses Resultat hat schlie\u00dflich erheblich zu einem Umdenken Italiens in der S\u00fcdtirolfrage gef\u00fchrt. Im selben Herbst setzte sich dann Fritz Molden als Mitglied der \u00f6sterreichischen Delegation f\u00fcr die S\u00fcdtiroler Sache bei der Generalversammlung der UNO in New York ein. Die Sache war erfolglos, da sich die Amerikaner in dieser Angelegenheit auf Italiens Seite stellten. Im Dezember 1960 kam es trotz der UN-Resolution 1497\/XV zu einer Konferenz der f\u00fchrenden BAS-K\u00f6pfe. Man entschied sich f\u00fcr den bewaffneten Widerstand. Nur eine Minderheit um Fritz Molden blieb besonnen und wollte abwarten. Es kam wie es kommen sollte, Bomben fielen, Masten flogen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Fritz Molden endete diese erste, schlie\u00dflich aber doch positive Phase des S\u00fcdtirol-Problems mit einer heiteren Erinnerung, wie er uns Jahre sp\u00e4ter bei einem Treffen im Schreiberh\u00e4usl erz\u00e4hlte. Mitten in der Zeit, als die S\u00fcdtirolfrage ernsthaft verhandelt wurde, kam Fritz Molden beim Forum in Alpbach mit Bundeskanzler Bruno Kreisky und dem Tiroler Landeshauptmann Eduard Walln\u00f6fer im Schreiberh\u00e4usl zusammen. Als man auf die S\u00fcdtirolfrage zu sprechen kam, animierte der Tiroler Landeshauptmann gerade Bruno Kreisky, mehr f\u00fcr S\u00fcdtirol zu tun. Kreisky meinte dazu: \u201eWei\u00dft du, lieber Walli, da sitzt du mit deinen Ratschl\u00e4gen am falschen Dampfer, neben dir sehe ich Prof. Pfaundler, der wird dir best\u00e4tigen, dass ich den S\u00fcdtirolern und ihm schon vor Jahren am Ballhausplatz bei mir in Wien gesagt habe, dass es mir, wenn\u2019s um die Sache geht, auf ein paar gesprengte Masten mehr oder weniger an Etsch und Eisack nicht ankommen soll\u201c. Genau hinter Kreisky standen dabei auf der Terrasse der \u00f6sterreichische und der italienische Justizminister, beide vertieft in ein Gespr\u00e4ch und hatten nichts wahrgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1961 kam die S\u00fcdtirolfrage erneut vor die UNO, die die Resolution von 1960 best\u00e4tigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sebastian Mayrg\u00fcndter, G\u00fcnther Rautz<br \/>\nf\u00fcr den Club Alpbach S\u00fcdtirol Alto Adige<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1102\" alt=\"DSC050021\" src=\"http:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-1024x682.jpg\" width=\"625\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-624x416.jpg 624w, https:\/\/www.alpbach.bz.it\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/DSC050021-900x600.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan muss tr\u00e4umen, man muss das Unm\u00f6gliche tr\u00e4umen, und dann davon so viel wie m\u00f6glich realisieren.\u201c Fritz Molden &#8211; Widerstandsk\u00e4mpfer, Reporter, Verleger, Professor, Freund und Ehrenmitglied des Club Alpbach S\u00fcdtirol Alto Adige &#8211; ist am 11. 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